Matija Bobicic – Interview

Kunstforum International /

Titel: „Manchmal sehen sie bedrohlich aus, aber sie werden missverstanden“

Auszug:

Die surrealistisch aufgemotzten Action-Figuren des Slowenen Matija Bobičić wurden schnell bekannt. Sie begegneten mir nicht nur immer wieder als Bild, sondern auch in Gesprächen mit jungen Künstler*innen. Bobicic schuf eine Figurenfamilie, die sich einprägt und die Betrachter*innen zu ihrer Kindheit zurückführt. Pop und Nostalgie sprechen aus ihnen, die sich frontal mit all ihren Muskeln und Köpfen vor uns aufbauen. Das Spielen war schon im Surrealismus der Moderne eine schöpferische Quelle. In ihren Ateliers spielten die Künstler*innen unter sich, nicht nur um zu neuen Formen und Bildinhalten zu finden, sondern um ihren Geist in einen mentalen Zustand zu versetzen, der ohne Kontrolle und Rationalität ihr Unterbewusstsein, wie in einem traumähnlichen Zustand sprudeln lässt.

LK Erzähle mir von deiner Kindheit. Wie war sie? Was hast du gespielt?

MB Ich wurde 1987 in Jugoslawien geboren. Für die westlichen Länder war es im Gegensatz zur Sowjetunion ein gutes Beispiel für ein kommunistisches Land. Obwohl es in Jugoslawien viele Einschränkungen gab, war das Land ziemlich frei. Man konnte westliche Musik hören, westliche Kunst genießen, Hollywood-Filme im Kino sehen und westliche Marken tragen (die man in Österreich oder Italien kaufen konnte), trotzdem gab es natürlich noch viele Dinge, die im Land nicht verfügbar oder möglich waren. Als ich noch ganz klein war, habe ich mir jeden Tag Ostblock-Zeichentrickfilme angesehen. Es gab keine Programme mit durchgehenden Zeichentrickfilmen wie Cartoon Network, weil es kein Kabelfernsehen gab, und die Kindersendungen waren auf 15 Minuten pro Tag begrenzt. Auch die Spielzeuge waren sehr begrenzt, hauptsächlich Dinge wie Holzklötze, aber wir hatten wirklich gute Kinderbücher mit tollen Illustrationen. Es machte mir großen Spaß, sie anzuschauen und zu versuchen, die Bilder zu kopieren oder zu übermalen. Als ich klein war, gingen die Dinge ziemlich langsam voran, aber 1991 begann sich alles zu ändern, als der Krieg begann und Jugoslawien auseinanderfiel. Mehr und mehr westliche Einflüsse strömten in die neuen Länder, und eines davon war Slowenien, das Land, in dem ich lebte (und immer noch lebe).

ganzes Interview: https://www.kunstforum.de/artikel/manchmal-sehen-sie-bedrohlich-aus-aber-sie-werden-missverstanden/