Remmidemmi! Malereicomebacks und aktuelle Tendenzen

Kunstforum International // Band 268 /

Auszug: „Sie musste sich schon viel gefallen lassen. Die Malerei.
Sie galt als aussichtslos. Einige wollten sie
mundtot machen, sie als gealtertes Medium ablegen.
Andere riefen aus, sie überwunden zu haben. Sie sei
nicht mehr wandelbar, ihre eingebrannten Falten
der Moderne könnten nicht mehr geglättet werden.
Die Malerei schien besiegt zu sein.
Trotzdem kam sie genauso oft zurück in die Öffentlichkeit,
wie sie aus ihr verband werden sollte.
Wirklich weg war sie nie. Und heute ist die Malerei so
vital und energiegeladen wie schon lange nicht mehr.
Es gilt: Wer malt, der malt. So erhält das Gemalte seine
lebendige Existenz zurück. Reflexionen über Abbild
und Wahrheit sind nur noch ein obsoletes Zeichen.
Beengter Idealismus und Theorien über die Leinwand
als Medium gehören der Vergangenheit an. Die
Pfeife ist eine Pfeife. Zeitgenössisch heißt, zu fühlen,
wie sie gemalt ist oder zu erkennen, ob sie eine politische
Aussage trifft. Aber die Pfeife nicht als Pfeife
zu sehen provoziert höchstens noch mildes Gähnen.“

„Malerei steht gegenwärtig nicht unter dem
Druck, sich intellektuell beweisen zu müssen. Die
Maler sind aus dem konzeptuellen Hamsterrad ausgestiegen,
mit dem sie gegen die Konkurrenz von
Konzeptkunst, Fotografie, Video und Happening anstrampelten.
Die Schweren und die Niederlagen des
20. Jahrhunderts sind überstanden. Werner Büttner
und seine Kollegen glucksten die Befreiung herbei.
Es darf wieder gelacht werden, die Party geht weiter.
Gerade deswegen kann die Malerei als Malerei
wieder ernsthafte Themen ganz direkt verhandeln,
genauso, wie sie auch ästhetisch formal neue Weitsprünge
vorlegt. Sie schreibt gegenwärtige Kunstgeschichten,
boomt auf dem Kunstmarkt und zieht
eine ganze Generation an jungen Leidenschaftlichen
an. Der Grund dafür ist, dass sich die Malerei aktuell
nicht in Frage stellt, dass gemalt wird, was gemalt
werden soll – politisch, abstrakt, figurativ, surreal –
ohne zuerst ästhetisch-philosophische Zwiesprache
im akademischen Beichtstuhl halten zu müssen.“

zum ganzen Artikel und zum Band: https://www.kunstforum.de/artikel/remmidemmi-zur-gegenwartsbefreiung-der-malerei/