Der große Reset – Neue Positionen der abstrakten Malerei

Kunstforum International // Band: Gegenwartsbefreiung Malerei /

Einleitung: „Da die abstrakte Malerei ihren Urhebern und Autoren
keine narrativen Themen zur Verfügung stellt, transformierten
sich Bestandteile wie Geste, Fläche, Farbe,
Linie und Malaktion in der Kunst- und Kulturgeschichte
des 20. Jahrhunderts zu inhaltsschwangeren Denk-
Figurationen: Begriffliche Anstöße für mystische,
psychologische, biografische, politische und kulturelle
Erzählungen. Auf einem der wirkungsträchtigsten
Höhe punkte der abstrakten Malerei wurde sie im Kalten
Krieg als kulturpolitische Waffe instrumentalisiert.
Als Symbol für abenteuerlichen Freiraum im Zeichen
des Pollock-Cowboys und für gesellschaftliche Demokratie
sollte sie die figurative Malerei Europas und der
Sowjetunion übertrumpfen. So erlangte sie „im Kontext
der Reeducation-Programme“ den Ruf „als neue
Weltsprache“, die „Freiheit inszeniert“ 1. Heute
wird die abstrakte Malerei nicht mehr politisch
wahrgenommen, dafür ist die Produktion an gegenständlicher
politischer Kunst aktuell zu verbreitet.
Auch eine tiefenpsychologische Interpretation
des Abstrakten gilt als obsolete Esoterik. Zu
Beginn des 21. Jahrhunderts ist diese Malerei somit
von den inhaltlichen Überladungen, die ihr während
der Nachkriegszeit und des Kalten Krieges zugeschriebenwurden,
gänzlich entledigt. Den Weg dorthin markierten entscheidende Positionen. „Infragestellung,
Aggressivität, Humor – Sachen, meiner Meinung nach,
die dabei sein sollten. Man randaliert ja gewisser maßen,
man wütet, bis das Formen annimmt“ 2, erklärte
Albert Oehlen über sich und seine Kollegen gegen
Ende der 70er Jahre, eine Zeit, in der abstrakte
Malerei nach ihm erstmal „erledigt“ war.
Zu den wichtigsten Wegbereitern für ein neues,
kunst historisches Kapitel der abstrakten Malerei zählen
unteranderem Christopher Wool, Albert Oehlen,
Günther Förg und Katharina Grosse. Ihre Arbeiten,
aber gerade auch ihre Haltungen ermöglichten es, die
einstigen Deutungs modelle zu überwinden und eine
neue Epoche einzuleiten – ja, den Knopf zu drücken.
Durch sie können sich heute jüngere Künstlerinnen, befreit von dem Rezeptionserbe, auf den bereits geschehenen Reset der abstrakten Malerei einlassen. David Ostrowski, Schüler von Albert Oehlen, gehört zu ihnen. Der Begriff „Abstrakt-Minimal“ beschreibt seine Arbeiten am besten, in denen die einzelne (gesprühte) Geste und die Farbe eine radikale, zeitgenössische Singularität verkörpern. Erleichterung, Spaß am Experimentieren, haptische Genugtuung, großzügige Leichtigkeit der Gesten, Befriedigung durch Farbe und Spiele zeichnen ebenfalls den aktuellen Status Quo aus. Trotzdem bleibt es bei den Grundbausteinen: Gestik, Farbflächen, Formen, Linien und Malprozesse als Aktionen sind weiterhin wesentliche Elemente. Im Folgenden werden diese Charakteristika in ihrer zeitgenössischen Erscheinung vorgestellt; exemplarisch durch einzelne Künstlerinnen
der neuen Generation.“

Die Positionen: David Ostrowski, Jadé Fadojutimi, Lev Khesin, Stephanie Lüning, Moritz Neuhoff, Tamina Amadyar

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