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Romain Fueler setzt eine Gruselmaske aus dem Karnevalsladen auf und steigt in die U-Bahn. Er setzt sich neben Fahrgäste und wartet auf die nächste Station. Oder er schleicht sich in einen U-Bahntunnel und öffnet von unten einen Schacht, der wieder auf die Straße führt.
Manchmal zieht er sich auch ein weißes Laken über, so wie Kinder Gespenster spielen. Wenn ihm danach ist, lässt er sich an einem schönen Sonntag von einem Straßenmaler porträtieren. Natürlich mit Maske. Auf die Frage, welche Bedeutung diese Verkleidungen für ihn haben, kontert er mit einer Gegenfrage: Warum seine Ästhetik denn eigentlich als Verkleidung definiert werde?
Fuelers performative Werke im Außenraum entstehen gemeinsam mit der Fotografin Émilie Désir, hauptsächlich in Paris. Sie wollen die Normen unseres Alltags hinterfragen und Konventionen des Normalen aufbrechen. Ihr Ansatz ist dadaistisch, aber auch pointiert. Fueler spielt Wesen, die andere vielleicht erschrecken, zum Lachen bringen oder einfach nur nerven. „Diese Arbeiten verdeutlichen eine Menschlichkeit, die in einer Kultur der Ausgrenzung verwurzelt ist.“
Fantastische Wesen statt Buchstaben
Besonders aktuell wird diese Botschaft, wenn man nach Berlin blickt: Die S-Bahn will verstärkt gegen wohnungslose Menschen vorgehen und sie aus den Zügen verweisen. Ein weiterer Grund, warum Fueler vor allem die Unterwelt der Verkehrssysteme und urbane Straßen bespielt, ist seine Treue zur Szenografie der Graffitikultur, in der er seit 20 Jahren tätig ist. Bemalte Züge, bemalte Ladenrollos oder, wie es in Frankreich üblich ist, bemalte Transporter und Lastwagen gehören ebenfalls zu seinen Kreationen.
Dabei sprüht er keine klassischen Buchstabengraffiti, sondern malt, im Zeichen des Anti-Style, verspielte, kindliche Fantasiegebilde. Dazu gehören Geister, nette Monster mit burgähnlichen Körpern, Skelette und Gruselhäuser. Happy Halloween in illegaler Manier und mit Art-Brut-Charakter. „Ich kann nichts erfinden, ich kann mir nichts vorstellen, ich gebe nur die Bilder wieder, die ich in meinem Kopf sehe. All das ist sehr real.“
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Foto: (C) Romain Fuehler und Émilie Désir „Ghost“, 2025