Hidden Masters: Veli Silver

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Veli Silver ist ein reisender Surrealist, neben dem öfter etwas explodiert. In den Bergen, am Meer und auf den Straßen der Welt arbeitet der fast zwei Meter große Slowene an seinen Action-Paintings, Performances oder Graffiti. Dabei entdeckt er einiges: zum Beispiel die schwarzen Wolken einer brennenden Fabrik, während er in Boxershorts auf der Straße steht. Oder ein verunglücktes Auto, dessen Motorhaube noch dampft und vor dem er seine Staffelei aufbaut. Er malt die Landschaft in den fröhlichsten, naivsten Farben.

Dabei wechselt der Künstler auch die Rollen: Er trägt eine Warnweste, als wäre er gerade zur Unfallstelle gerufen worden. Doch statt das Auto abzuschleppen, entscheidet er sich zunächst, die schöne Aussicht zu malen. Vielleicht war er sogar selbst der Unfallfahrer, der unmittelbar nach dem Aufprall den See erblickte und seinem poetischen, künstlerischen Impuls folgen musste. Oder: Er ist ein Sprayer, der am Sonntag mit der Sprühdose auch mal Landschaftsmalerei betreibt – ausgerechnet dort, wo sich zufällig ein Unfall ereignet hat. Wer weiß das schon?

Veli Silvers künstlerischer Weg begann mit Graffiti und entwickelte sich zu illegalen wie legalen Kreationen. Seine Spezialität sind spektakuläre Szenen im Außenraum. Man kann sie auch „Radikal-Metaphern“ nennen, wie es bei den Surrealisten der 1920er-Jahre hieß. Dabei werden extrem unterschiedliche Objekte und Situationen zusammengestellt.

Künstlerische Mythen auf die Spitze treiben

Die traumartige Verdichtung zu einer multiplen Narration, deren Rätsel nicht gelöst werden können, gehört ebenfalls zur surrealen Sprache. Mit diesen Werkzeugen treibt Silver kunsthistorische Mythen über Schaffensdrang, Rausch und das Künstlergenie ins Absurde. Wie bei der Arbeit „The Painter“: Da steht er in den Bergen und malt wieder an seiner Staffelei. Das Künstlertemperament lässt die Leinwand direkt in Flammen aufgehen.

Für die Performancereihe „Sun Never Sets“ lässt sich Veli Silver mit echten Feuerwerkskörpern beschießen. Das ist gefährlich und führte bereits zu Verletzungen. Durch das ruckartige Ausweichen und den parallel dazu ausgeführten Malakt wirkt der Künstler wie von Dämonen getrieben. Auf den ersten Blick kann das lustig aussehen: Wie ein aufgescheuchtes Huhn tänzelt er vor der Leinwand herum, um ihn herum knallt und zischt es.

Darunter liegt aber auch Kritik. Künstler wie Jackson Pollock inszenierten das Action-Painting mit vollem Körpereinsatz und großen Gesten. Danach posierte Pollock gern lässig mit Zigarette im Mund wie ein Cowboy. Er und seine Kollegen – fast immer Männer – wurden zu Genies erklärt. Ihr Unterbewusstsein, ihre emotionalen Tiefen und ihr vermeintlich spontanes Gespür für die richtige Bildkomposition verliehen der Malerei eine geradezu mythische Bedeutung. Die spektakulär produzierten Werke sind heute Millionen wert.

Bei Silver gibt es stattdessen gleich das große Feuerwerk. Nur erhöht das den Künstler nicht zum Genie. Im Gegenteil: Während er vor seinen eigenen Bildern in Deckung geht, gerät auch die Pose des wichtigen, coolen Künstlers ins Wanken. Silver führt den Geniekult des Abstrakten Expressionismus und darüber hinaus ad absurdum. Ein Angriff auf die Kunstgeschichte, bei dem besser ein Feuerlöscher bereitsteht.

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