Zohar Fraiman

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Über die Berliner Malerin Zohar Fraiman schrieb ich einen Artikel für art das Kunstmagzin:

Hello Kittys kommen in den neuen Werken von Zohar Fraiman öfter vor. Mal sind die Kittys liebevoll durchs Auge aufgespießt und landen als Kirschersatz in Cocktailgläsern, mal bleiben die Augen heil. Dafür schweben ihre Köpfe an zerfetzten Oberkörpern in der Atmosphäre umher, wie in Journey to the West. Hier stoßen sie auf weitere Körperteile: Hände, ausgestreckte Arme, Torsos. Sie stammen von Zeichentrickfiguren, männlichen Helden, denen wiederum die Köpfe fehlen. Fraiman malt nur selten Männergesichter, „man wisse auch ohne die Köpfe, dass sie da sind“ sagt sie. In Journey to the West treffen die identifizierbaren Überbleibsel der Animie- und Zeichentrickwelt über den Wolken aufeinander. Es scheint, aus szenografischer Sicht, das letzte Level eines Computerspiels zu sein; von der Erde wurde sich immer weiter nach oben gespielt. Die Bildkomposition gleicht einem Kriegsbild. Fäuste und weiße Kuller-Katzen gehen aufeinander los. Ein letzter Kampf? 

Friedlich wirkt dem Gegenüber die Arbeit B and Me. Ein sehr junges Mädchen strahlt eine Barbiepuppe an. Die Barbiepuppe strahlt ebenfalls, aber in die Luft. Ihre Gesichter sind identisch. Durch diese Beobachtung setzt dann doch das unheimliche Gefühl ein. Doppelgänger waren ein beliebtes Motiv der Krimis in der romantischen Epoche. Autoskopie bezeichnet verschiedene Formen des Sich-Selbst-Sehens. Psychische Erkrankungen können Halluzinationen des eigenen Ichs als gedoppelte Person hervorrufen. Meistens ist das andere Ich dann traurig. Auf Zohar Fraimans Gemälde kann das kindliche Lächeln ebenfalls in eine Grimasse umschlagen – zumindest bei der Barbie. Aber wer doppelt hier wen? Möchte das Mädchen so aussehen wie die Barbie, oder will die Barbie so aussehen wie der Mensch? Wahrscheinlich ersteres, da Idealannahmen und genderbedingte Vorurteile einen inhaltlichen roten Faden durch Fraimans Werk darstellen. Daher rührt auch ihr Interesse an Werbungen aus den 50er und 60er Jahren. Sie setzt sich mit der Rolle der Hausfrau genauso auseinander, wie mit den plakativen Kompositionen der damaligen Geschlechterrollen. Ihre Werke sind Protest, kein direkter, lauter, aber ein beständiger.“