Now Now kuratiert bei Ed Broner

Ausstellungstext / Breach Miami Gallery

Die Gruppenausstellung Now Now ist auch gleichzeitig die Eröffnungsausstellung der neu gegründeten Breach Galerie von Fabien Castanier und Ed Broner, der die kuratorische Leitung übernimmt. Die Philosophie der Galerie steht für Offenheit und Chancengleichheit. Statt Auswahlprozesse, die auf diskriminierenden Kategorien beruhen, wie der soziale Background oder die Ausbildungsreferenz, wird ausschließlich die Qualität der künstlerischen Arbeiten an erster Stelle stehen.

Als Künstler und Kurator beschäftigt sich Ed Broner seit langem intensiv mit den unterschiedlichsten Orten, in denen Malerei entstehen kann. Einerseits beweist er seit vielen Jahren ein sensibles Gespür für junge Talente, selbst wenn sie noch als Studenten an ihren Hochschulen experimentieren, aber auch für aktuelle Trends, Bewegungen und gerade aufstrebende Karrieren. Auf seinem früheren Blog Now Now Contemporary sorgte er bereits für einflussreiche Entdeckungen. Andererseits schaut sich Ed Broner aber nicht nur in Institutionen um, auch wer Meisterschüler von welchem Professor war, interessiert ihn bei seiner Auswahl nicht. Er macht keinen Unterschied zwischen Autodidakten, Outsidern einer Untergrundkultur, Graffiti-Sprayern oder preisgekrönten Stipendiaten. Das Alter und die Herkunft sind ebenfalls nebensächlich. Ed Broner kuratiert Malerei, keine Biografien oder Profile. Ein leider seltener, aber umso spannenderer Ansatz.

Now Now zeigt eine große Spannbreite an aktuellen Positionen. Skulpturen kommen ebenfalls vor, aber auch sie stammen aus den Händen der Maler. Die Bilder sind figürlich, abstrakt, gestisch, ruhig, dreckig, wild oder geordnet. Auch hier spiegeln sich die Wandlungen im 21. Jahrhundert wieder: Wir leben in keiner Zeit mehr, in der abstrakte und figürliche Malerei auf gegnerischen Seiten stehen, die mit konträren Weltansichten operieren, so wie es noch in Debatten der Nachkriegszeit und des Kalten Krieges der Fall war.

Prägend sind heute und in Now Now die heterogenen Einflüsse, wie aus der realistischen, der naiven, der expressiven, der surrealen oder der Farbfeld- Malerei. Aber auch Assoziationen des Samplings entstehen, man denkt an eine Folklore des Hip-Hops, an Comic-Krimi-Geschichten, eine asiatische Popart von mexikanischer Wandmalerei oder kindliche (Alp-) Träume von Farbmaterie. Ein Schwerpunkt ist die Bejahung von Narrationen, einem lebhaften Storytelling, die Erschaffung von Protagonisten, unperfekten (Anti-)Helden und neuen Freunden. Zusammen ergeben die Arbeiten der 25 teilnehmenden, internationalen Künstlern eine farbkräftige Welt aus hybriden Stilen, Landschaften der Abstraktion und ihren neuen Bewohnern. Die Breach-Philosophie ist hier bereits deutlich zu spüren.