Interview Kristian Jarmuschek

Kunstforum International / Zeichne! /

Kristian Jarmuschek ist Gründer der paper positions – eine Kunstmesse nur für Papierarbeiten. Außerdem ist er Galerist, Vorsitzender des Bundes verbands für deutsche Galerien und Kunsthändler, sowie Inhaber und Geschäftsführer der Positions Berlin GmbH, darüber hinaus leitet er die art Karlsruhe, zusammen mit Kollegin Olga Blaß. Mit ihm sprach ich über seine Leidenschaft für Zeichnungen, ihr einzigartiges Potential, ihre Vermarktung auf dem Kunstmarkt und über Gegenwartstendenzen der neuen Zeichner*innen.

LK Du hattest vor der Wende einen Studienplatz für Medizin. Der ist dir später aberkannt worden und daraufhin hast du dich für Kunstgeschichte entschieden, ja?

KJ Das stimmt, zu Beginn der Wiedervereinigung fehlten jegliche Maßstäbe und so wurden die Studienplatzzusagen in den Bereichen Jura und Medizin für Abiturient*innen annulliert… es war ja unsere erste Wiedervereinigung. Damals empfand ich das allerdings als eine schicksalhafte Entscheidung und meine Chance, schließlich hatte ich mich schon zuvor heimlich zu den Eignungsprüfungen für Kunstgeschichte in Leipzig und Berlin angemeldet gehabt und konnte mich somit nun ganz und gar der Kunst widmen.

LK Bevor wir auf Eure Messe für Papierarbeiten, die paper positions eingehen, frage ich dich als Kunsthistoriker: Warum war und ist das Zeichnen für die Kunstgeschichte wichtig? Welche Entwicklungen konnten dank ihr geschehen? An welchen Punkten der Geschichte, hat die Zeichnung neue Anstöße gegeben?

KJ Die Zeichnung war für die Kunstgeschichte u.a. wichtig, weil sie oft die einfachste und schnellste und ökonomischste Möglichkeit war, ein Bild zu erzeugen – man denke nur an die berühmten Höhlenzeichnungen. In vielen Situationen hatte und hat man ja keine Leinwand, keine Ölfarben oder Pigmente zur Hand, sondern nur eine Höhlenwand oder eben ein Papier. Auch der Untergrund oder das Medium spielt bei der Entscheidung für die Zeichnung bzw. die Linie oft eine Rolle – wenn man beispielsweise ein Relief in eine Tempelwand ritzen möchte, ein Gefäß veredelt und eine Kupferplatte bearbeiten muss. Und gerade in solchen Fällen sind die Kreationen sogar besonders langlebig und können über viele Jahrhunderte und Epochen hinweg als Vorbild, Referenz und Inspiration für neue Entwicklungen dienen. Zeichnungen bringen die Möglichkeit zu großer Präzision und Klarheit mit sich. Und nicht zuletzt sind sie besonders auf dem Papier auch heute noch DAS Medium, in dem man unmittelbar und direkt ohne größeren Prozess etwas abbilden und ggf. auch noch verändern kann und deshalb sind sie perfekt für Skizzen, Vorzeichnungen und Genres wie Karikaturen. Mit der Zeichnung fängt oft alles an und das macht sie zu einem Medium mit sehr intuitivem, spontanem und mitunter auch emotionalem Potential. Deshalb ist sie für viele sicherlich besonders spannend und stand oft am Anfang großer Werke und Entwicklungen – mal eigenständig und mal vorbereitend.

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